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Kultur & Lebensstil

Der Geschmack der Comunidad Valenciana: mehr als nur Paella


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Wenn du jemanden nach typisch valencianischem Essen fragst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du „Paella” als Antwort bekommst. Das ist verständlich, denn dieses weltberühmte Reisgericht kommt ursprünglich aus der Region um Valencia. Aber wer etwas über die klassischen Touristenmenüs hinausschaut, entdeckt eine kulinarische Tradition, die reichhaltiger, vielfältiger und überraschender ist, als man denkt.

Die echte Paella: ohne Fisch und mit Schnecken?

Die traditionelle Paella Valenciana hat nichts mit der gemischten „Paella Mixta” zu tun, die Touristen oft serviert wird. Die Originalversion kommt aus dem Landesinneren und wird mit Huhn, Kaninchen, grünen Bohnen, weißen Garrofón-Bohnen und manchmal sogar Schnecken gemacht. Alles wird in einer großen flachen Pfanne über offenem Feuer gebraten, am besten mit Orangenholz. Die knusprige Kruste am Boden – der Socarrat – ist für viele der leckerste Teil.

Eine interessante Tatsache: In der Comunidad Valencia wird Paella traditionell am Sonntagnachmittag gegessen, oft mit Familie oder Freunden. Die Pfanne wird auf den Tisch gestellt und man isst direkt daraus. Jeder bekommt dann sein eigenes „Stück” aus der Pfanne zugeteilt – und es ist „not done”, mit dem Löffel einfach überall in der Pfanne herumzuwühlen. Erst wenn alle satt sind, darf man weiteressen, was übrig ist. Natürlich darf man sich auch einfach seinen eigenen Teller vollschöpfen...


gamba roja denia

Das Beste aus dem Meer auf deinem Teller: rote Garnelen aus Dénia

Entlang der Küste schmeckt man das Meer in seiner reinsten Form. Die Gamba Roja de Dénia ist eines der beliebtesten Produkte der spanischen Gastronomie. Diese tiefroten Garnelen werden vor der Küste von Dénia gefangen und sind für ihren intensiven, fast süßlichen Geschmack bekannt. Spitzenköche aus ganz Spanien verwenden sie in ihren Gourmetgerichten. Aber wenn du mich fragst, sind sie einfach kurz gegrillt mit etwas Meersalz und einem Tropfen Olivenöl am besten.


Herzhafte Klassiker aus dem Landesinneren

Auch in den Bergdörfern der Marina Alta und weiter im Landesinneren findet man deftige, traditionelle Gerichte. Wenn es draußen kälter wird – ja, das passiert auch hier – kommt der Puchero auf den Tisch. Ein reichhaltiger Eintopf mit Fleisch, Gemüse, Kichererbsen, Kartoffeln und manchmal sogar einer gefüllten Teigkugel (Pelota). Es ist ein echtes Familiengericht, das langsam in großen Mengen gekocht und oft auf mehrere Gänge verteilt wird: zuerst die Brühe mit Nudeln, dann das Gemüse und das Fleisch. Jede Familie hat ihre eigene Variante des Rezepts, aber der warme, wohltuende Duft von Puchero ist für viele Valencianer pure Nostalgie.

Eine logische Fortsetzung des Puchero ist Arroz al horno – Reis aus dem Ofen in einer Tonschale, meist aus den Resten des Vortags zubereitet. Stell dir ein herzhaftes Ofengericht mit Reis, Chorizo, Morcilla (Blutwurst), Tomaten, Kartoffeln, Kichererbsen und einer Knoblauchzehe vor, das in einer traditionellen Tonschale gegart wird. Oft liegt eine ganze Knoblauchzehe oben drauf, für die Form und den Geschmack. Das ist ein herzhaftes Gericht, perfekt für einen Sonntagnachmittag mit der Familie oder ein Mittagessen unter der Woche in einem Dorf-Restaurant.

Und dann gibt es noch die Fideuà, ein Gericht aus Gandía, das der Paella sehr ähnlich ist, aber statt Reis dünne Nudeln (ähnlich wie Vermicelli) enthält. Es wird mit Fischbrühe, Tintenfisch und Schalentieren zubereitet – und mit einem großen Löffel Allioli serviert.

Mini-Rezept: Fideuà zubereiten (für 2 Personen)

      • Tintenfischstücke in Olivenöl mit Knoblauch anbraten
      • Reiben Sie Tomaten und geräuchertes Paprikapulver dazu
      • Geben Sie eine Handvoll Fideuà-Nudeln dazu und rühren Sie kurz um
      • Mit 500 ml Fischbrühe ablöschen
      • Kochen lassen, bis die Flüssigkeit aufgenommen ist (ca. 10-12 Min.)
      • Mit Allioli servieren – guten Appetit!

cocas-denia

Die „Coca”, respektlos als spanische Pizza bezeichnet

Zum Schluss noch ein lokaler Klassiker, den man auf Märkten und in Bäckereien findet: die Coca. Dieser flache, luftige Kuchen aus brotähnlichem Teig gibt's in unzähligen Varianten – herzhaft und süß. Denk dabei an Kombinationen mit Paprika, Zwiebeln, Thunfisch oder Spinat oder die beliebte Coca de Mollitas mit salzigen Streuseln oben drauf. Coca ist einfach, nahrhaft und vor allem vielseitig: ein Snack, ein Mittagessen oder etwas zum Aperitif. Keine gehobene Gastronomie, aber leckeres, am liebsten tägliches Essen, das nie langweilig wird.


Einfachheit vom Feinsten

Die Küche der Comunidad Valenciana dreht sich nicht nur um Reisgerichte und große Mahlzeiten. Auch die Einfachheit der alltäglichen Gerichte sagt viel über die lokalen Geschmäcker aus. Nehmen wir zum Beispiel Espencat – einen kalten Salat aus gegrillten Paprika und Auberginen, gewürzt mit Olivenöl und manchmal gesalzenem Kabeljau. Ein Gericht, das oft als Beilage oder auf einem Stück Brot serviert wird und genau zeigt, wie Gemüse die Hauptrolle spielen kann.

Oder denk an die verschiedenen Arten von getrocknetem Fisch (wie zum Beispiel „la mojama”, „el pulpo seco”, „la hueva de mújol” und „el capellán”), eine jahrhundertealte Konservierungstechnik, die vor allem an der Küste noch gepflegt wird. In Dörfern wie Dénia und Jávea sieht man manchmal noch traditionelle Fischgestelle, auf denen Thunfisch oder Tintenfisch an der frischen Luft getrocknet werden. Der intensive Geschmack dieses Fisches wird in Eintöpfen, Salaten oder einfach als Tapa verarbeitet – pur, salzig und voller Charakter und normalerweise mit einem herrlichen Olivenöl und einigen Mandeln aus der Region serviert.


Und zum Abschluss... etwas Süßes!

Die bekannteste Süßigkeit der Region ist zweifellos Turrón – eine nougatähnliche Süßigkeit aus Mandeln und Honig, die traditionell aus der Stadt Jijona (Xixona) stammt. Obwohl Turrón vor allem zur Weihnachtszeit beliebt ist, findet man ihn das ganze Jahr über auf lokalen Märkten und in Geschäften in allen möglichen Geschmacksrichtungen und Konsistenzen.

Ein weiterer süßer Favorit, vor allem aus der Provinz Valencia, sind die Fartons: längliche, luftige süße Brötchen, die man in ein Glas Horchata taucht – ein erfrischendes Getränk aus Erdmandeln (Chufas). Die Nüsse haben einen leicht süßlichen, nussigen Geschmack und werden seit Jahrhunderten in Spanien angebaut – vor allem in der Region Valencia (Alboraya). Die Kombination aus dem eiskalten Getränk und dem Brötchen ist vor allem im Sommer unwiderstehlich.

paella familiar

KURZ GESAGT...

Die Comunidad Valenciana hat eine Küche mit Charakter – robust, ehrlich und tief in der Region verwurzelt. Ob du Meeresfrüchte, Eintöpfe oder Ofengerichte magst – in der Comunidad Valenciana dreht sich alles um Reinheit und Tradition. Gerichte werden geteilt, die Aromen sind vielschichtig, aber nie kompliziert, und Essen ist hier vor allem etwas, das man gemeinsam tut. Die Küche ist das Herzstück der Kultur – und wer sich darauf einlässt, schmeckt erst wirklich, was diese Region so besonders macht.   ¡Que aproveche!

José den Herder

José den Herder

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